Berichte über vier Vorträge der Nachfolgerin von Helena P. Blavatsky, die ihren Traum der Gründung einer theosophischen Schule und Universität verwirklichte, in Berlin am 27.09.2024, 11.10.2025, 21.10.1925 und am 11.09.2028.

1. Bericht
Theosophie, das All-Heilmittel für das leidende Deutschland
Freie Ansprache, gehalten von Katherine Tingley im Oberlichtsaal der Philharmonie, Berlin, am 27. September 1924
FREUNDE! Ich mochte Ihnen im voraus für die Geduld danken, die Sie meinem in einer fremden Sprache gehaltenen Vortrag entgegenbringen werden; es wird Ihnen jedoch nachher eine Zusammenfassung in deutscher Sprache gegeben werden. Aus diesem Grunde werde ich auch nicht so lange sprechen, als mich mein Herz eigentlich drängt, obwohl einem gerade dann, wenn man aufhören muß zu sprechen, oft die besten Gedanken kommen. Trotzdem hoffe ich, Ihrem Herzen etwas näher zu kommen.
I. MEINE SYMPATHIE FÜR DEUTSCHLAND
Sie sind als Deutsche ein Volk von großer Selbstbeherrschung. Alles, was ich seit dem Kriege über Sie erfahren habe, hat Sie als eine Nation gekennzeichnet von wunderbarer Geduld, großer Stärke im Leiden und von einem Mute, der, dessen bin ich gewiß, Sie durch alle kommenden Jahre vor dem Untergang bewahren und Ihnen herrliche Siege bringen wird.Mein Interesse für Deutschland ist nicht von einer Art, welche heute aufflammt und morgen wieder erlischt.
Da ich an Wiederverkörperung glaube, bin ich fast geneigt, zu denken, daß ich in einem früheren Leben eine Deutsche gewesen sein muß. Auch bei der Unterzeichnung des Waffenstillstandes waren meine Gedanken ständig bei dem deutschen Volke.
Ich bin dessen sehr gewiß, daß meinem Vaterland Amerika wahrend des Krieges viel von dem fehlte, das an Ihrem Lande das Beste ist. Ich erinnere mich noch sehr wohl daran, daß an unseren Schulen das Lehren Ihrer Sprache aufgegeben wurde; auch Darbietungen deutscher Musik waren nicht gestattet. In der Tat, ich denke mit sehr, sehr tiefem Bedauern an viele, viele solcher Fehler, die während des Krieges und nach demselben gemacht wurden.
Aber ich bin so sicher, wie nur irgend jemand sein kann, wenn ich erkläre – ohne mich dabei für eine Prophetin zu halten – daß sich Ihr Land aus den harten Prüfungen, die Sie so tapter ertrugen, erheben wird, und daß es, ehe noch viele Jahre verflossen sind, wenn nicht die hellste, so doch eine der hellsten Leuchten unter den Nationen der Welt sein wird.
Mit solchen Gedanken und mit solcher Sympathie trete ich heute abend vor Sie und bitte Sie um Ihre Aufmerksamkeit. Wahrend der kurzen Zeit, die ich hier in Berlin weile, wird es jenen, die sich für die Theosophie interessieren, nicht möglich sein, die volle Ausdehnung des von mir vertretenen Werkes zu ermessen. So möchte ich mich als die Führerin und als offizielles Haupt der „Universalen Bruderschaft und Theosophischen Gesellschaft“ in der ganzen Welt vorstellen.
II. H. P. BLAVATSKY, DIE GRÜNDERIN DER MODERNEN THEOSOPHISCHEN BEWEGUNG
Es ist die ursprüngliche Theosophische Gesellschaft, die in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Helena Petrovna Blavatsky in Neuyork gegründet worden war. Ich kann nicht von dem Werk der Theosophie sprechen, ohne Ihre Aufmerksamkeit auch aul diese große Frau zu lenken. Zu meiner Freude konnte ich feststellen, daß, obwohl eine Russin von Geburt, ihre Vorfahren auf einer Seite Deutsche waren. Ihr Großvater väterlicherseits war General Alexis Hahn von Rottenstern (Hahn) – der Vertreter einer adeligen Familie aus Mecklenburg, der sich in Rußland niedergelassen hatte.
Nachdem ich H. P. Blavatskys Werke gelesen, ihr Leben und ihre Lehren kennen gelernt und die wunderbare Ausdauer und den Mut erkannt habe, den sie bei der Veröffentlichung dieser großen Wahrheiten der alten Weisheitslehre, der Theosophie, zeigte, kann ich den Einfluß ihrer deutschen Ahnen besser schätzen.
Frau Blavatsky hatte niemals behauptet, daß die Theosophie, die Alte Weisheits-Religion, von ihr sei. Wie ich schon früher hier in diesem Lande dargelegt habe, wurde die Theosophie schon viele Zeitalter vor Jesus gelehrt und gelebt. H. P. Blavatsky brachte sie lediglich in ihrer modernen Form vor die westliche Welt – aber die Wahrheiten, die sie lehrte, sind sehr alt.
III. DIE WESENTLICHEN THEOSOPHISCHEN LEHREN
Wir nehmen die wesentlichen Lehren von allen großen Welt-Religionen an. Wir glauben an die Göttlichkeit des Menschen, an sein Seelenleben. Wir glauben, daß der Mensch den Schlüssel zur Lösung der Lebensprobleme in sich selbst trägt, glauben, daß, wenn er einmal seine wesentliche Göttlichkeit erkennen, wenn er einmal verstehen kann, daß er ein Teil des göttlichen Daseinsplanes ist, – des großen Universalen Lebens – wenn er nur einmal eine Ahnung erhält von seinen eigenen in ihm schlummernden Möglichkeiten, von jenen wundervollen spirituellen Kräften, welche tief in seiner Natur verborgen ruhen und welche dortselbst die leitenden Elemente sein sollten, er von diesem Augenblick an anfängt emporzugehen, vorwärtszuschreiten, sich selbst zu finden, zu erkennen, daß er seines Bruders Hüter ist, an Bruderschaft zu glauben und einzusehen, daß sie eine Tatsache in der Natur ist.
Er fängt dann auch an, alles Gute zu lieben und zu schätzen. Aber ganz gleich, wieviel er predigt, wieviel er liest, wie groß auch seine Gelehrsamkeit und sein Können sein mögen, alles das gilt nichts, wenn er nicht das Leben des wahren Theosophen führt, wenn er nicht das reine, aufrechte, gewissenhafte und edle Leben lebt.
Daher glaube ich nicht, daß mein Thema „Theosophie, das Allheilmittel für das leidende Deutschland” unangebracht ist. Ich sage dies nicht in irgendwelcher Absicht, dem deutschen Volk einen Vorwurf zu machen, nicht im mindesten. Es ist für mich merkwürdig, erstaunlich und wunderbar, und ich kann gar nicht begreifen, wie die Menschheit in religiöser Beziehung ohne die Kenntnis der Theosophie zeitalterlang durchgekommen ist, daß sie fähig ist, auf eigenen Füßen zu stehen und nicht bloß gerade nur wie die Tiere dahinlebt. Das ist für mich das große Wunder!
Manchmal werde ich gefragt: „Was hat nach ihrem Glauben die Rasse befähigt, sich doch einigermaßen vor dem Untergang zu bewahren?” Ich sage: „Es ist die im Menschen schlummernde Göttlichkeit, welche die Menschheit errettet hat, trotzdem die Menschen diese Göttlichkeit nicht erkannten; es ist dieses höhere Selbst im Menschen, jener Teil, welcher höhenwärts strebt, welcher vertraut, welcher liebt und welcher dient!”
IV. MEINE ERZIEHERISCHEN PLÄNE FÜR DEUTSCHLAND
Und so, da ich das große pulsierende Herz Deutschlands kenne, da ich weiß, daß Ihr Land geistiger Hilfe bedarf, so würde ich, wenn ich das Vermögen eines Multimillionärs hätte, in einigen Ihrer Städte Schulen errichten.
Aber da ich die finanziellen Mittel hierzu noch nicht besitze, kann ich nur das Nächstbeste tun und Ihnen erklären, daß ich hoffe, hier Schulen von einer Art einzurichten, wie sie Ihr Land braucht und wie sie alle Länder brauchen – nämlich „Schulen der Vorbeugung“.
Wir müssen die Jugend schon von Kindheit an zu einer Erkenntnis ihrer wesentlichen Göttlichkeit und ihrer Macht, die niedere Natur zu beherrschen, erziehen. Wir müssen dem Kinde ein weiteres Schauen vermitteln. Wir müssen ihm begreiflich machen, daß jeder Augenblick kostbar ist und nicht wiederkommen kann – daß jeder Augenblick eine Gelegenheit ist. Bei aller Gelehrsamkeit und Gründlichkeit, mit welcher Sie Ihre Kinder in technischer Beziehung erziehen – wenn Sie dieses höhergeistige Element, von dem ich sprach, hinzufügen könnten, so könnten Sie aus Deutschland ein neues Volk machen – eine Leuchte für die ganze Welt.
V. DIE RELIGION DER BRUDERSCHAFT
Bei aller gebührenden Achtung vor den aufrichtigen Anhängern aller Religionen, glaube ich, daß das, was Deutschland heute braucht, neue Religion ist – eine Religion der Bruderschait, gelebt und durchgeführt im ganzen Lande. Es ist eine Religion, welche die ganze Welt überzeugen wird, wenn die Welt die Wahrheit, daß es ein Allheilmittel für alle Übel und Fehler des menschlichen Lebens gibt, anerkennen wird.
Ich weiß, daß große Denker, große Staatsmänner da sind, welche versuchen, Ihrem Lande zu dienen. Aber haben Sie schon einmal über die Uneinigkeit, die unter Ihrem Volke herrscht, nachgedacht? Da ist diese Verschiedenheit der politischen Parteien – und alle ziehen sie nach verschiedenen Richtungen. Diese Gruppe geht den Weg und jene Gruppe einen andern – Zersplitterung überall.
Und doch sollten heute die Menschen aller Nationen angesichts der offenen Möglichkeiten fortschreitender Kultur geeinigt sein – geeint in einem wundervollen, heiligen Band der Bruderschaft. Das deutsche Volk könnte so einig sein, daß ihm Friede für immer sein würde – es sollte keine gegensätzlichen Interessen und keinen Krieg geben.
Wenn die Zeit kommt, da Sie die Überzeugung hochhalten, daß es kein Krieg mehr geben wird, dann werden Sie erkennen, daß sie am Beginn des Aufstiegs zu den Höhen wahrer Erkenntnis stehen – daß Sie zu leben anfangen. Gegenwärtig führt die Menschheit nur ein halbes Leben, weil sie mit ihrer eigenen Natur, mit ihren Hoffnungen und Möglichkeiten gar nicht vertraut ist.
VI. DIE SENDUNG DER THEOSOPHIE
So hat die Theosophie eine Sendung. Diese Sendung geht dahin, zu erklären, wie ich schon vorhin sagte, daß Bruderschaft eine Tatsache in der Natur ist. Wenn ich heute ein Mann ware und in Ihrem Reichstag oder an Ihren großen Tagungen teilnehmen könnte, so würde ich zuerst alle Teilnehmer daran erinnern, daß jeder seines Bruders Hüter ist, daß Bruderschaft eine Tatsache in der Natur ist. Und bevor nicht alle Tagungen und ‘Versammlungen und Gesellschaften unter diesem erhabenen, fundamentalen Prinzip geeinigt sind, einem Prinzip, das nicht lediglich als Idee des Gehirnverstandes, sondern mit dem tiefinnersten Bewußtsein von allen verwurzelt, aufgefaßt werden darf, dürfen wir dauernden Frieden nicht erwarten.
Möge sich niemand durch meine Begeisterung verletzt fühlen. Sie ist die Folge meines Glaubens an die wesentliche Göttlichkeit des Menschen, an seine Unsterblichkeit – meiner Überzeugung, daß der Mensch eine Seele ist, und daß er als solche durch verschiedene Schulen von Erfahrungen während seiner verschiedenen Erdenleben weiter und weiter vorwärtsschreitet, dem Ziele der Vollkommenheit zu.
Wenn ein Mensch diese Erkenntnis hat, tritt er dem Leiden mit zehnmal mehr Mut als sonst entgegen. Er tritt ihm mit Verständnis entgegen. Er muß die Weisheit, die Wahrheit der Worte des Paulus: „Wie der Mensch säet, so wird er auch ernten“ erfassen. Dies ist das Mantram, das jedem Kinde gelehrt werden sollte – das auf die Wände jedes Schulzimmers geschrieben werden sollte: „Wie ihr säet, so müßt ihr auch ernten“. Dies ist die Lehre, welche in der Theosophie Karma genannt wird.
Und dann, wenn wir den Geist der Menschen, Gottes großer Familie, auf die herrliche Lehre der Wiederverkörperung lenken könnten, so würde ganz Wunderbares für die menschliche Rasse bereitstehen, etwas, das nicht beschrieben werden kann. Ich glaube sicher, daß die Sterne heller leuchten, daß der Himmel blauer strahlen würde, daß Ihr Herz wärmer schlagen würde, daß sie anfangen würden zu erkennen, was leben, was lieben und was dienen heißt!
VII. THEOSOPHIE UND INTERNATIONALISMUS
Frei von Sektentum sind die Lehren der Theosophie. Sie ist nicht von Glaubensbekenntnissen oder Dogmen eingeengt. Die Theosophen haben keine Kirche. Wir sehen, daß Jesus sein Werk recht gut ohne eine Kirche durchführte. Und so auch wir. Aber wir kommen zusammen und arbeiten, und an unserem Internationalen Hauptquartier zu Point Loma, Kalifornien, welches das Theosophische Zentrum für die ganze Welt ist, sind prächtige, ernste, aufrichtige und selbstlose Vertreter von etwa 26 Nationen.
Sie arbeiten Tag und Nacht – nicht feindselig, keineswegs im Geiste des Verdammens oder der Kritik – sondern mit einem Herzen, das auf die Nöte der Welt abgestimmt ist, mit der allumfassenden Anschauung, daß wir alle zu Gottes großer Familie gehören, mit der Idee, daß keine Nation besser behandelt werden sollte als die andere, daß alle Nationen ein Teil dieser großen universalen Familie Gottes sind.
Wenn Theosophie in jedem Heim, wenn sie in den Schulen wäre, wenn sie von den Kanzeln gepredigt würde, so – ich gebe Ihnen die Versicherung würden Sie Ihre Bibel besser verstehen und Ihren Gott besser erkennen!
Was immer gut ist, wird die Theosophie nie zerstören; sie stärkt, sie glaubt an aufbauende Arbeit, nicht an die Zerstörung, sondern an die Wiedererneuerung des menschlichen Wesens; sie will den Körper rein und stark, lauter und edel machen, auf daß die unsterbliche Seele, die Göttlichkeit im Innern, leben und wachsen und ihr Licht hinausleuchten lassen möge.
VIII. EIN LEBEN IST NICHT GENÜGEND FÜR DIE SEELE
Aber wie die Dinge heute stehen, liegt es trotz der vielen guten Menschen in allen Ländern klar, daß die Menschen von dem sichtbaren Leben, dem weltlichen Leben, in Fesseln gehalten werden. Schon unsere Vorfahren hatten an diesem Hindernis gelitten. Zeitalterlang war die Menschheit in der Idee von nur einem Erdenleben von siebenzig oder hundert Jahren befangen: Der Mensch mit seinen großen Möglichkeiten, mit seiner ihm innewohnenden Göttlichkeit, seinem großen Verstand und seiner großen Gelehrsamkeit, und oft mit seiner Inspiration in Poesie, Musik, Kunst, Literatur, Staatskunst, Wissenschaft und Erfindung – er pilgert eben nur eine kleine Weile dahin in diesem Erdenleben, und wenn er etwa sechzig Jahre alt ist, bereitet er sich zum Sterben!
Nun, die Theosophen denken nicht so. Wir glauben, daß der beste Teil des Lebens hinter den Vierzigern liegt. Wir glauben, daß ihn die Erfahrungen, die er vor dieser Zeit zu machen hatte, befähigen sollten, sein Leben besser zu führen. So daß er, anstatt sich für den Tod zu rüsten, sich für das längere, das edlere und das wahrere Leben vorbereiten sollte. Wenn jeder Mann und jede Frau, vollständig erfaßt von der Idee, daß der Körper das Haus ist, in welchem die Seele lebt, das Theosophische Leben führen würden, so würden wir in hohem Maße frei sein von Krankheiten, wir waren frei von der Niedergeschlagenheit, die uns so oft befällt. Wir wären frei von allem Zweifel an den großen, unendlichen Gesetzen des Lebens – den Gesetzen Gottes; wir würden erkennen, daß der Tod Wiedergeburt ist, – ein zeitweili-
ger Ausgleich; daß der Körper atmet, bis die Zeit kommt, da er müde und abgetragen ist, sich nach Ruhe sehnt, und wir nicht länger mehr in ihm leben können, weil er sterblich ist; und daß das Gehirngemüt bei den Schwächen und allen niederen Neigungen, die das menschliche Leben heimsuchen und es zerstören, mit dem Körper stirbt; die Unsterbliche Seele aber weiter schreitet, um neuer Erfahrungen teilhaftig zu werden.
IX. THEOSOPHIE IM HEIM
Können Sie etwas Ungereimtes in dieser Lehre finden? Irgend etwas Schreckliches? Ist in diesen Ideen nicht vielmehr ein erhabener Optimismus? Ist sie denn nicht gerade das Allheilmittel, dessen Ihr leidendes Land bedarf? Ist sie nicht etwas, was ergriffen, was erfaßt werden kann, sei es auch nur zum Versuche? Wenn Sie wünschten, die Welt zu umfahren und man würde Ihnen sagen, daß es nur ein Schiff hiefür gibt, so müßten Sie etwas aufs Spiel setzen – Sie müßten in jene, die vorher mit dem Schiffe segelten und dasselbe seetüchtig fanden, ein bestimmtes Vertrauen setzen.
Theosophie ist das Schiff, das Sie sicher durch die Lebensreise führen wird. Studieren Sie die Theosophischen Lehren! Wenden Sie dieselben in Ihrem Leben an! Bringen Sie Theosophie in Ihr Heim und zu Ihren Kindern! Machen Sie Ihr Heim zu einem Tempel, zu einer Halle des Lernens, zu einem Mittelpunkt der Harmonie! Lernen Sie darin durch die Theosophischen Lehren die Bedeutung des Lebens erkennen: Warum Sie hier sind, woher Sie kamen und wohin Sie gehen! Setzen Sie keinen Zweifel darein! Der Glaube ist schon etwas, aber Erkenntnis ist mehr. Wenn jemand Erkenntnis hat, so ist er auf dem Wege zur Weisheit.
2. Bericht
Liebe Freunde, da Sie in unserer begrenzten Zeit heute Abend nur ein wenig von der Theosophie empfangen haben, fühle ich richtig, daß ich Ihre höchsten Ansprüche übersehen würde, wenn ich Ihnen nicht sagen würde, daß der Weg, um das Wissen der Theosophie zu erreichen, der ist, die theosophischen Standardbücher zu lesen – insbesondere die Werke von Helena Petrowna Blavatsky.
Nebenbei gesagt, möchte ich Sie gern daran erinnern, daß H. P. Blavatsky, die Gründerin der Theosophischen Bewegung in moderner Zeit, von einer Seite ihrer Familie von deutscher Abstammung war – derer von Hahn. Und daß sie ihr größtes Buch “Die Geheimlehre” vor vielen Jahren in Würzburg begonnen hat. Sie hat eine Literatur von seltenster Qualität geschaffen.
Sie wird die Wissenschaftler, Gelehrten und Denker herausfordern. Sie kann jedoch von allen Klassen gelesen werden und ihnen von Nutzen sein. Sie hat ebenso “Isis entschleiert” geschrieben und “Der Schlüssel zur Theosophie”, beide reich an wunderbaren Lehren, nicht ihren Meinungen, sondern mit dem Wissen, das sie von der Uralten Weisheit hatte.
Wenn Ihr Gemüt begrenzt ist, wenn Sie Vorurteile haben, wenn Sie mit dem Leben, so wie es ist, zufrieden sind, werden Sie in der Theosophie vielleicht nicht viel finden. Aber wenn Sie hungrig nach der Wahrheit sind, wenn Sie mehr wissen wollen über die Gesetze, die Ihr Leben beherrschen, wenn Sie gegen all die Ungerechtigkeiten rebellieren, die Ihnen widerfahren, wenn Sie nach Licht verlangen, wenn Ihre Einstellung lautet: “Oh, mein Gott! Gib mir Licht!” – wenn es das ist, was Sie suchen, dann lesen Sie die Bücher von H. P. Blavatsky. Wenn Sie diese nicht kaufen wollen, leihen Sie sie von den öffentlichen Büchereien aus, und wenn sie dort nicht vorhanden sind, werden wir sie dort hinstellen.
Ich hoffe, daß Sie diesen Saal heute Abend nicht mit der Vorstellung verlassen werden, daß das, was ich gesagt habe, nur leeres Gerede oder Phantasie ist, denn es ist alles für Sie gedacht. Und wenn Sie die theosophischen Standardbücher lesen, werden Sie das Wissen finden, nach dem sich Ihr Herz sehnt. Es wird von Ihnen überhaupt nichts verlangt, außer daß Sie sich anstrengen, aufwärts zu gehen, um das Wissen zu erlangen, auf das Sie ein Anrecht haben, damit Sie daraus Nutzen für Ihr Leben ziehen können und damit Ihre liebe Nation sich aus ihrem Schattendasein und ihren Kämpfen erheben und ein Leuchtturm für die Welt werden kann, denn das, ich betone das ausdrücklich, wird sie sein! Ich danke Ihnen.”
- Auszug aus einem “aus dem Stehgreif gehaltenen Vortrag” von Katherine Tingley, Leiterin der originären Theosophischen Gesellschaft, gehalten am 11. Oktober 1925 im Beethovensaal in Berlin, zit. n. dem stenographischen Bericht “Germany’s Mission” in: The Theosophical Path, Point Loma, Febr. 1926, pp. 105-112. In der Online-Version nicht enthalten. Hervorhebungen im Original. Von uns wurden das Foto und der Link hinzugefügt.
3. Bericht
[Übersetzung eines von Elise von Hopffgarten verfaßten Artikels, der kurz vor Katherine Tingleys Rede im Berliner Beethoven-Saal am 21. Oktober 1925 über eine Presseagentur an einige 250 Tageszeitungen in Deutschland gesandt worden ist.]
Die folgende Depesche erreichte uns aus Berlin: Die bekannte Freundin Deutschlands und Sachwalterin des internationalen Friedens, Katherine Tingley, Führerin der Theosophischen Bewegung in Amerika, befindet sich gegenwärtig in Deutschland und wird in Berlin über Deutschlands Friedensmission in der Welt sprechen.
Unvergeßlich ist der tiefempfundene Appell Katherine Tingleys in Bezug auf Deutschland im Frühling 1919 in der Aeolian Hall in New York. Hier, im Angesicht starker Opposition, die durch die alliierte Kriegspropaganda gegen Deutschland während des Krieges hervorgerufen wurde, plädierte sie für einen 15. Punkt über einen größeren Geist an Gerechtigkeit und Bruderschaft in den Beziehungen zum deutschen Volk, der Wilsons berühmten 14 Punkten hinzugefügt werden sollte.
Katherine Tingleys Lebenswerk ist dennoch von vollständig unpolitischer Natur. Sie ist eine hervorragende Arbeiterin für den internationalen Frieden und allgemeiner Bruderschaft. Die Bewegung, die sie in Amerika gefördert hat und die sie repräsentiert, ist außerordentlich groß und stellt einen gewichtigen ethischen Faktor dar, den Staatsmänner und Volksvertreter genötigt waren, in Betracht zu ziehen.
Und heute kann Deutschland, mit all seiner Bildung und Gründlichkeit, wie Katherine Tingley glaubt, aufwachen und eine neue Nation werden, ein Leuchtturm für die ganze Welt, wenn die höheren Empfindungen der Göttlichkeit, die in unserem Volk schlummern, und die Kontrolle über die niedere Natur weiterhin gehegt und gepflegt werden.
Katherine Tingleys Buch Theosophie, der Pfad des Mystikers, ist bereits ins Deutsche, Holländische, Schwedische, Französische, Spanische und Russische übersetzt worden.
E.v.H.
- Quelle: The Theosophical Path, January 1926, p.89-90. In der Online-Version nicht enthalten. Hervorhebungen und eckige Klammern im Original. Von uns wurden das Foto und die Links hinzugefügt.
- Katherine Tingley: “Eine Vision in purpurnem Licht”, Das theosophische Forum, Jan./März 1951, S. 29-30.
4. Zeitungsbericht über Katherine Tingleys Vortrag am 11.09.2028 in Berlin

as. Theosophisterei.
K a t h e r i n e T i n g l e y, offizielles Haupt der Universalen Brüderschaft und Theosophischen Gesellschaft in Point Loma (Kalifornien) ist wieder in Berlin aufgetreten. Ihren Vortrag: “Der ewige Mensch. – Es gibt keine Toten“ liess sie durch ihren Landsmann Professor Lars Eek halten; sie selbst begnügte sich in einer kurzen Ansprache an ihre Horerschar im Bach-Saal mit einem Bekenntnis zum Glauben an die Inkarnation [Reinkarnation = Wiedereinfleischung], zu dem auch der skeptische Gegenwartsmensch bei tieferem Nachdenken gelangen müsse. Katherine Tingley verficht eine alte, auch von Mrs. Annie Besant hier ähnlich geäusserte Ansicht. Nur der Körper zerstäubt, der seelische Mensch aber bleibt, wird ewig wiedergeboren, bis er in die Kristallisation eintritt, in die Vollendung eingeht, d. h. eine Wiedergeburt nicht mehr nötig hat. In der Natur stirbt nichts, sondern alles unterliegt Wandlungsgesetzen, hier pulsiert von Lenz zu Lenz überall das Leben; wie dürfe man daher an einen Tod glauben? Das Göttliche im Menschen bleibe unvergänglich. Die Todesstunde wurde von den Theosophen nicht gefürchtet, sondern als Geburtsstunde der Seele freudig begrüsst. Glaubt an Karnation [Inkarnation = Einfleischung] und Rekarnation [Reinkarnation]! Zuletzt veranschaulichten farbige Lichtbilder die segensreichen philantropischen und erzieherischen Bemühungen Katherine Tingleys um Kinder und Studenten in der Rasja-thoga [Raja Yoga-]Sommerschule auf Wirsingfo [Visingsö] (Schweden) sowie im ,College and Academy” auf Point Lama [Loma].
- Berliner Tageblatt, Jg. 57, Nr. 432, Mittwoch, 12.9.1928, Abendausgabe, S. [1]–[2]. Korrekturen von uns in eckigen Klammern.
Komm.: Sie hatte die Vision von freien Völkern, die sich selbst regieren. Das ist nicht das Konzept des Globalismus, des Einheitsmenschen, einer Weltregierung oder von UNO und WHO:
“Die Wahrheit lebe unter den Menschen; die da falsch reden, seien verdammt.
Das Licht leuchte auf an den dunklen Plätzen der Erde; die Dunkelheit verschwinde.
Alle Völker der Erde seien frei; das Joch der Knechtschaft werde abgeworfen.
Lasset uns deshalb allem Lebenden dienen, denn das Gesetz hat gesiegt.
Das Gesetz der Wahrheit hat gesiegt; die Falschen sind des Todes.
Das Gesetz des Lichtes hat triumphiert; die Dunkelheit ist überwunden.
Das Gesetz der Freiheit hat gesiegt; die Knechtschaft ist nicht mehr.”
– Katherine Tingley
