Dr. Steiner: Das Ich und das Fleischessen

Zitat: „Und insbesondere fängt man an, in seinem Leibe alle diejenigen Einschlüsse zu verspüren, welche sozusagen innerhalb dieses physischen Leibes ein gewisses, von vornherein selbständiges Dasein führen. Und hier kommen wir auf eine Frage, die eigentlich nur in diesem Zusammenhang zum vollen Verständnis gebracht werden kann — aber selbstverständlich wird damit keine Agitation getrieben, sondern nur die Wahrheit hingestellt —, wir kommen auf die Frage der Fleischkost.

Photo: Eigen, KI.

Da müssen wir uns einmal, weil wir es hier mit dem physischen Leib zu tun haben, einlassen auf die Beschreibung des Wesens der Fleisch- und auch der Pflanzennahrung, der Nahrung überhaupt. Das alles soll eine Episode bilden bei der Besprechung der Einflüsse anthroposophischen Lebens auf die Hüllen des Menschen, was so charakterisiert werden kann, daß es genannt wird die Ergänzung, die Regeneration dieses physischen Leibes von außen herein durch das, was er an äußerer Substanz aufnimmt.

Man versteht das Verhältnis des Menschen zu seinen Nahrungsmitteln dann recht, wenn man das Verhältnis des Menschen zu den übrigen Naturreichen, zunächst zum Pflanzenreich ins Auge faßt. Das Pflanzenreich, als ein Reich des Lebens, führt die anorganischen Stoffe, die leblosen Stoffe bis zu einer gewissen Organisation herauf. Daß die lebendige Pflanze werde, das setzt voraus, daß die leblosen Stoffe in einer gewissen Weise — wie eben in einem lebendigen Laboratorium — verarbeitet werden bis zu einer gewissen Stufe der Organisation herauf.

So daß wir in der Pflanze ein Lebewesen vor uns haben, welches die leblosen Naturprodukte bis zu einer gewissen Stufe der Organisation bringt. Der Mensch ist nun so organisiert als physischer Organismus, daß er in der Lage ist, den Organisationsprozeß da aufzunehmen, bis wohin die Pflanze ihn gebracht hat, und dann ihn von dem Punkte an weiterzuführen, so daß der höhere Menschenorganismus entsteht, wenn der Mensch das, was die Pflanze bis zu einem gewissen Grade organisiert hat, weiterorganisiert.

Es verhalten sich die Dinge ganz genau so, daß dann eigentlich eine vollständige Kontinuation da ist, wenn der Mensch einen Apfel oder ein Baumblatt abpflückt und ißt. Das ist die vollständigste Kontinuation. Würden alle Dinge so vorliegen, daß immer das Allernatürlichste könnte getan werden, so würde man sagen können: Das Natürlichste wäre, daß der Mensch einfach den Organisationsprozeß da fortsetzt, wo ihn die Pflanze stehengelassen hat, das heißt die Pflanzenorgane so nimmt, wie sie sich draußen darbieten, und von da aus in sich selber weiterorganisiert.

Das würde eine gerade Linie der Organisation geben, die nirgends irgendwie durchbrochen wäre: von der leblosen Substanz bis zur Pflanze, bis zu einem gewissen Punkt der Organisation, und von diesem Punkt bis zum menschlichen Organismus hindurch. Nehmen wir nun gleich das Gröbste: der Mensch genießt das Tier. Im Tier haben wir ein Lebewesen vor uns, welches den Organisationsprozeß auch schon weiterführt als die Pflanze, bis zu einem gewissen Punkte über die Pflanzenorganisation hinausführt. So dass wir von dem Tiere sagen können, es setzt den Organisationsprozeß der Pflanze fort.

Nehmen wir nun an, der Mensch ißt das Tier. Da tritt in einer gewissen Weise das Folgende ein: der Mensch hat jetzt nicht nötig, das an inneren Kräften anzuwenden, was er hätte anwenden müssen bei der Pflanze. Hätte er da angefangen, die Nahrungsmittel organisieren zu müssen, wo die Pflanze aufgehört hat, dann hätte er eine gewisse Summe von Kräften anwenden müssen.

Die bleibt nun ungenützt, wenn er das Tier ißt; denn das Tier hat die Organisation der Pflanze schon bis zu einem gewissen höheren Punkte heraufgeführt; erst da braucht der Mensch jetzt anzufangen.

Wir können also sagen: Der Mensch setzt nicht die Organisation da fort, wo er sie fortsetzen könnte, sondern er läßt Kräfte, die in ihm sind, ungenützt und setzt später die Organisation fort; er läßt

sich von dem Tiere einen Teil der Arbeit abnehmen, den er leisten müßte, wenn er die Pflanze genießen würde. Nun besteht das Wohlsein eines Organismus nicht darin, daß er möglichst wenig leistet, sondern darin, daß er alle seine Kräfte wirklich in Tätigkeit bringt.

Wenn der Mensch tierische Nahrung zu sich nimmt, so macht er mit denjenigen Kräften, welche organische Tätigkeiten entwickeln würden, wenn er nur Pflanzen äße, etwas ähnliches, wie wenn er

auf seinen linken Arm verzichten würde, ihn anbinden würde, so daß er nicht benützt werden kann. So bindet der Mensch, wenn er Tiere ißt, innere Kräfte an, die er sonst aufrufen würde, wenn er nur Pflanzen äße.

Er verurteilt also eine gewisse Summe von Kräften in sich zur Untätigkeit. Alles, was so zur Untätigkeit im menschlichen Organismus verurteilt wird, bewirkt zugleich, daß die betreffenden Organisationen, welche sonst tätig waren, brachgelegt werden, gelähmt, verhärtet werden. So daß der Mensch einen Teil seines Organismus tötet oder wenigstens lähmt, wenn er das Tier genießt.

Diesen Teil seines Organismus, den der Mensch so in sich verhärtet, den trägt er dann mit durch das Leben wie einen Fremdkörper. Diesen Fremdkörper fühlt er im normalen Leben nicht. Wenn aber der Organismus so innerlich beweglich wird und seine Organsysteme voneinander unabhängiger werden, so wie es im anthroposophischen Leben geschieht, dann beginnt der physische Leib, der ohnedies schon, wie wir charakterisiert haben, sich unbehaglich fühlt, sich noch unbehaglicher zu fühlen, weil er ja jetzt einen Fremdkörper in sich hat.

Wie gesagt, es soll nicht agitiert, sondern nur die Wahrheit an sich hingestellt werden. Und wir werden andere Wirkungen der tierischen Nahrung noch kennenlernen; wir werden diesmal genötigt sein, dieses Kapitel ausführlich zu besprechen. Daher also kommt es, daß Fortschritt an innerem anthroposophischem Leben allmählich eine Art von Ekel erzeugt an tierischer Nahrung.

Nicht als ob man dem Anthroposophen die tierische Nahrung verbieten müßte; sondern das gesund fortschreitende Instinktleben wehrt sich nach und nach gegen die tierische Nahrung und mag sie auch nicht mehr; und das ist auch viel besser, als wenn der Mensch aus irgendeinem abstrakten Grundsatz heraus Vegetarier wird.

Das beste ist, wenn die Anthroposophie den Menschen dazu bringt, eine Art Ekel und Abscheu vor der Fleischnahrung zu haben, und es hat nicht viel Wert in bezug auf das, was man seine höhere Entwicklung nennen kann, wenn der Mensch auf andere Weise sich die Fleischnahrung abgewöhnt. So daß man sagen kann: Die tierische Nahrung bewirkt in dem Menschen etwas, was für den physischen Leib des Menschen eine Last wird, und diese Last wird empfunden.

Das ist der okkulte Tatbestand von einer Seite. Von einer anderen Seite werden wir ihn noch charakterisieren. Ich möchte als anderes Beispiel noch den Alkohol erwähnen. Auch das Verhältnis des Menschen zum Alkohol ist einer Veränderung unterworfen, wenn der Mensch sich innerlich lebendig, ernst mit Anthroposophie durchdringt. Der Alkohol nämlich ist ja etwas noch ganz Besonderes sozusagen in den Reichen der Natur.

Er erweist sich nicht nur als eine Last-Erzeugung im menschlichen Organismus, sondern er erweist sich direkt als oppositionelle Gewalt im menschlichen Organismus erzeugend. Denn wenn wir die Pflanze betrachten, so bringt sie es in ihrer Organisation bis zu einem gewissen Punkt — mit Ausnahme der Weinrebe, die es über diesen Punkt hinausbringt.

Was die übrigen Pflanzen sich einzig und allein aufsparen für den jungen Keim, alle die Triebkraft, die sonst nur für den jungen Keim aufgespart wird und nicht in das übrige der Pflanze sich ergießt, das ergießt sich bei der Weintraube auch in einer gewissen Weise in das Fruchtfleisch; so daß durch die sogenannte Gärung, durch die Verwandlung dessen, was sich da in die Weintraube hineinergießt, was in der Traube selbst zur höchsten Spannung gebracht worden ist, etwas erzeugt wird, was in der Tat innerhalb der Pflanze eine Gewalt hat, welche nur verglichen werden kann okkultistisch mit der Gewalt, die das Ich des Menschen über das Blut hat.

Was also bei der Weinerzeugung entsteht, was bei der Alkoholerzeugung sich immer bildet, ist, daß in einem anderen Naturreich dasjenige erzeugt wird, was der Mensch erzeugen muß, wenn er von seinem Ich aus auf das Blut wirkt.

Wir wissen ja, daß eine innige Beziehung besteht zwischen dem Ich und dem Blut. Sie kann schon äußerlich charakterisiert werden dadurch, daß wenn im Ich Scham empfunden wird, die Schamröte dem Menschen ins Gesicht steigt, wenn in dem Ich Furcht, Angst empfunden wird, der Mensch erblaßt. Diese Wirkung von dem Ich auf das Blut, die aber auch sonst vorhanden ist, die ist okkultistisch ganz ähnlich derjenigen Wirkung, welche entsteht, wenn der Pflanzenprozeß zurückgebildet wird, so daß das, was in dem Fruchtfleisch der Weintraube ist oder was überhaupt aus dem Pflanzlichen kommt, zum Alkohol umgebildet wird.

Das Ich muß, wie gesagt, normal einen ganz ähnlichen Prozeß im Blut erzeugen – okkultistisch gesprochen, nicht chemisch —, wie erzeugt wird durch das gleichsam Rückgängigmachen des Organisationsprozesses, durch das bloße Chemischmachen des Organisationsprozesses, wenn Alkohol erzeugt wird. Die Folge davon ist, daß wir durch den Alkohol etwas in unseren Organismus einführen, was von der anderen Seite her so wirkt, wie das Ich auf das Blut wirkt.

Das heißt, wir haben ein Gegen-Ich in dem Alkohol in uns aufgenommen, ein Ich, das direkt ein Kämpfer ist gegen die Taten unseres geistigen Ich. Von der anderen Seite her wird auf das Blut gerade so gewirkt durch den Alkohol, wie von dem Ich auf das Blut gewirkt wird. So dass wir also einen inneren Krieg entfesseln und im Grunde alles das, was von dem Ich ausgeht, zur Machtlosigkeit verdammen, wenn wir ihm einen Gegenkämpfer entgegenstellen im Alkohol.

Dies ist der okkulte Tatbestand. Derjenige, welcher keinen Alkohol trinkt, sichert sich die freie Möglichkeit, von seinem Ich aus auf das Blut zu wirken; derjenige, der Alkohol trinkt, der macht es gerade so wie jemand, der eine Wand einreißen will und nach der einen Seite schlägt, gleichzeitig aber auf der anderen Seite Leute aufstellt, die ihm entgegenschlagen. Ganz genau so wird durch den Genuß des Alkohols eliminiert die Tätigkeit des Ich auf das Blut.

Daher empfindet derjenige, welcher Anthroposophie zu seinem Lebenselement macht, die Arbeit des Alkohols im Blute als direkten Kampf gegen sein Ich, und es ist daher nur natürlich, daß eine wirkliche geistige Entwicklung nur leicht vor sich gehen kann, wenn man ihr nicht diese Widerlage schafft. Wir sehen gerade aus diesem Beispiel, wie das, was ja sonst auch vorhanden ist, durch das veränderte Gleichgewicht, welches eintritt im physischen Leib, für den Esoteriker oder Anthroposophen wahrnehmbar wird.

Auch in vielen anderen Beziehungen verselbständigen sich die einzelnen Organe und Organsysteme des menschlichen physischen Organismus, und diese Verselbständigung können wir auch dadurch kennzeichnen, daß Rückenmark und Gehirn viel unabhängiger voneinander werden. Wir werden von der Nahrung, von der okkulten Nahrungsphysiologie morgen noch weiterreden; ich will aber heute mehr bei dem Thema der Verselbständigung bleiben.

Diese Unabhängigkeit des Rückenmarkes vom Gehirn kann dadurch zutage treten, daß in der Tat durch eine innere Durchdringung der Seele mit Anthroposophie nach und nach der Mensch in die Lage kommt, an seinem physischen Leibe zu empfinden, als ob dieser physische Organismus an sich größere Selbständigkeit gewänne. Das kann wiederum ganz unbehagliche Situationen geben.

Daher ist es um so notwendiger, daß man die Sache weiß. Es kann sich zum Beispiel herausstellen, daß, während man sich sonst in der Gewalt hat, wie man das so gewöhnlich nennt, derjenige, der weiterkommt, an sich plötzlich merkt, wie er manche Worte sagt, ohne daß er so recht die Absicht hatte, diese Worte zu sagen. Er geht auf der Straße; plötzlich merkt er, daß er ein Wort ausgesprochen hat, das vielleicht ein Lieblingswort von ihm ist, das er unterlassen hätte auszusprechen, wenn er nicht jene Verselbständigung durchgemacht hätte, die man diejenige des Rückenmarkes gegenüber dem Gehirn nennt.

Was sonst gehemmt wird, das wird zu bloßen Reflexerscheinungen durch die Verselbständigung des Rückenmarkes gegenüber dem Gehirn. Aber im Gehirn selber wird ein Teil verselbständigt gegenüber dem andern Teil: nämlich die inneren Partien des Gehirns werden selbständiger gegenüber den äußeren umlagernden Partien, während diese letzteren mehr mit den inneren Partien zusammenarbeiten im normalen Leben.

Das zeigt sich dadurch, daß für den Esoteriker oder wirklichen Anthroposophen das abstrakte Denken schwerer wird, schwieriger wird, als es vorher war, an dem Gehirn allmählich einen Widerstand findet. Bildlich zu denken, mehr sozusagen sich imaginativ vorzustellen, das wird leichter bei dem sich entwickelnden Anthroposophen, als daß er abstrakt denkt.

Das ist etwas, was bei manchem besonders eifrigen Anthroposophen sogar sehr bald leicht bemerkbar wird. Es stellt sich eine Vorliebe für nur anthroposophische Betätigung ein. Die Leute fangen an, nur mehr Anthroposophisches gerne zu lesen und zu denken, nicht bloß aus dem Grunde, weil sie “eifrige Anthroposophen sind, sondern weil es ihnen leichter wird, sich in diese mehr spirituellen Vorstellungen hineinzufinden, welche, soweit der physische Plan in Betracht kommt, die mittleren Partien des Gehirns beanspruchen, während das abstrakte Denken die äußeren Partien des Gehirns beansprucht.

Daher kommt die Abneigung gerade manches übereifrigen Anthroposophen gegenüber abstraktem Denken und abstrakter Wissenschaft. Daher kommt es auch wiederum, daß einzelne Anthroposophen mit einer gewissen Wehmut bemerken, wie sie früher gut abstrakt haben denken können und wie gerade dieses abstrakte Denken anfängt schwieriger zu werden.

So werden die einzelnen Organe in sich lebendiger und selbständiger, und sogar einzelne Organteile werden lebendiger und selbständiger. Sie können daraus ersehen, daß sozusagen etwas Neues eintreten muß bei dem Menschen, der solches durchmacht. Früher war es eine gütige Natur, die ohne sein Zutun seine Organe in die richtige Verbindung gebracht hat; jetzt werden diese Organe selbständiger, kommen in ein unabhängiges Verhältnis zueinander.

Jetzt muß er mehr von innen heraus die Kraft haben, die Organe wirklich wiederum zu einer Harmonie aufzurufen. Dieses Aufrufen der Organe und Organteile zu einer Harmonie erreicht man dadurch, daß bei jedem ordentlichen Betreiben des Anthroposophischen alles das immerfort betont wird, was die Herrschaft des Menschen über seine selbständiger gewordenen Organe erhöht.

Warum spielt eigentlich innerhalb unserer Literatur etwas eine so große Rolle, wovon manche Menschen einfach sagen: Ach, das ist aber doch furchtbar schwierig! — Ich mußte schon oft eine sehr eigentümliche Antwort geben, wenn gesagt wurde: Für Anfänger ist das Buch «Theosophie» doch eigentlich zu schwierig. — Ich mußte sagen: Es durfte nicht leichter sein. Hätte man es leichter gemacht, so hätten die Leute zwar gewisse anthroposophische Wahrheiten in ihr Inneres aufgenommen, die wirken, auch zur Verselbständigung der einzelnen Gehirnpartien; aber es ist dieses Buch in einer ordentlichen Gedankenstruktur konstruiert, damit auch die andere Partie des Gehirns fortwährend genötigt ist, wirklich sich zu üben, nicht sozusagen zurückzubleiben.

Das ist das Eigentümliche, das bei einer solchen Bewegung, die auf einer okkulten Grundlage beruht, notwendig macht, nicht nur zu achten auf das, was im abstrakten Sinn das Richtige ist, und das einfach zu verkündigen in jeder beliebigen Weise; sondern es ist notwendig, es in einer gesunden Weise zu verkündigen und in ehrlichster Weise darauf zu achten, daß nicht um der Popularität willen die Sache so verkündet wird, daß sie in ihrer Verkündigung zugleich zum Schaden gereichen könne.

In der Anthroposophie kommt es nicht bloß darauf an, daß die entsprechenden Wahrheiten in Büchern und in Reden mitgeteilt werden, sondern es kommt darauf an, wie sie geschrieben und wie sie mitgeteilt werden. Und um so besser ist es, wenn diejenigen, die sich zum Träger einer solchen Bewegung machen wollen, sich nicht um der Popularität willen abhalten lassen, dies oder jenes durchzuführen.

Mehr als auf jedem anderen Gebiete handelt es sich auf diesem um das Bekenntnis zur reinen und ehrlichen Wahrheit. Und gerade wenn man auf solche Fragen eingeht wie die Veränderung der menschlichen Hülle durch anthroposophisches Leben, da bemerkt man erst, wie notwendig es ist, Anthroposophie in richtiger Weise vor die Welt zu bringen.

Ich möchte nur bemerken, daß die Vorträge, die ich halten werde, als ein Ganzes zu nehmen sind und daß daher manches Bedenkliche, was beim ersten Vortrag in dieser oder jener Seele auftreten könnte, schon behoben werden wird.“

Dr. Rudolf Steiner, Den Haag, 20. März 1913, GA 145.
http://bdn-steiner.ru/cat/ga/145.pdf

Zitat: „Diesen Ätherleib hat nun der Mensch so mit dem Pflanzlichen gemein, wie er den physischen Leib mit dem Mineralischen gemein hat. Alles Lebendige hat seinen Ätherleib. […]

Die Pflanzen sind in einem fortdauernden Schlafzustande. Wer in diesen Dingen nicht genau urteilt, der kann leicht in den Irrtum verfallen, auch den Pflanzen eine Art von Bewußtsein zuzuschreiben, wie es die Tiere und Menschen im Wachzustande haben. Das kann aber nur dann geschehen, wenn man sich von dem Bewußtsein eine ungenaue Vorstellung macht. Man sagt dann, wenn auf die Pflanze ein äußerer Reiz ausgeübt wird, dann vollziehe sie gewisse Bewegungen wie das Tier auch. Man spricht von der Empfindlichkeit mancher Pflanzen, welche zum Beispiel ihre Blätter zusammenziehen, wenn gewisse äußere Dinge auf sie einwirken.

Doch ist es nicht das Bezeichnende des Bewußtseins, daß ein Wesen auf eine Wirkung eine gewisse Gegenwirkung zeigt, sondern daß das Wesen in seinem Innern etwas erlebt, was zu der bloßen Gegenwirkung als ein Neues hinzukommt. Sonst könnte man auch von Bewußtsein sprechen, wenn sich ein Stück Eisen unter dem Einflusse von Wärme ausdehnt. Bewußtsein ist erst vorhanden, wenn das Wesen durch die Wirkung der Wärme zum Beispiel innerlich Schmerz erlebt.“

– Dr. Rudolf Steiner: Wesen der Menschheit, in: Die Geheimwissenschaft im Umriß (1909)
https://www.anthroposophie.net/steiner/ga/bib_steiner_ga_013_02.htm#_Toc14861972

Komm.: Steiner übernahm die veränderte Terminologie von Besant und Leadbeater (ob das sinnvoll war, soll jeder für sich herausfinden). Bei Helena Blavatsky ist das, was hier Ätherleib genannt wird, der Astralleib. Was Steiner, Besant und Leadbeater wiederum den Astralleib nennen, ist bei Blavatsky der Pranaleib (oder Lebenskraft).

Steiner entschied sich im Jahr 1900 zur vegetarischen Ernährung. Über den Komponisten von Mysteriendramen, Richard Wagner, sagte er am 19.05.1905 (GA 92): “Die christliche Lehre enthält das Verbot des Tötens, das Töten ist eine Sünde. Hier ist der Ursprung der Anschauung zu suchen, die Wagner zu einem strengen Vegetarismus führte. Für ihn wird die Ernährung mit Fleisch zu einem Zeichen des Niedergangs einer Rasse, und er bezeichnet es als einzige Möglichkeit des Aufstiegs, wenn die Menschen übergehen zu einer Nahrung, die sie nicht mehr verleitet zum Töten.”

Weiterführend

Amadeus Fuchsberger – Vegetarismus
(12. Klasse Rudolf-Steiner-Schule Salzburg, 2007-08)

Bernadett Bigalke: Warum soll sich ein Theosoph vegetarisch ernähren? Vom “Astralleib” und “Magnetismus des Fleisches”, in: Mauss, Buddhismus, Devianz, 2009, Seiten: [265]-282.

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