
1946, public domain.
“Jenseits des Himalaja gibt es einen Kern von Adepten unterschiedlicher Nationalität, die dem Teshu [Panchen] Lama bekannt sind, mit denen sie zusammenwirken, und einige von ihnen leben bei ihm, bleiben jedoch ihrem wahren Wesen nach selbst den durchschnittlichen Lamas unbekannt – die in der Mehrzahl Ignoranten sind. Dort halten sich mein Meister und KH, sowie verschiedene andere auf, die ich persönlich kenne; sie kommen und gehen, und sie alle stehen mit den Adepten in Ägypten und Syrien und sogar in Europa in Verbindung.”
- Sylvia Cranston: Leben und Werk der Helena Blavatsky (2. [korrig.] A. 2001, S. 119; Eigenübersetzung aus der 3rd rev. ed. “The Extraordinary Life and Influence of Helena Blavatsky”, 1994, p. 83.
“Als wir vor Jahren zum ersten Mal den Orient bereisten und das Innere seiner verlassenen Heiligtümer erkundeten, quälten uns zwei traurige und immer wiederkehrende Fragen: Wo, WER, WAS ist GOTT? Wer hat je den UNSTERBLICHEN GEIST des Menschen gesehen, um sich seiner Unsterblichkeit versichern zu können?
Während wir mit größtem Eifer versuchten, diese verwirrenden Probleme zu lösen, begegneten wir gewissen Männern, die mit so geheimnisvollen Kräften und so tiefem Wissen ausgestattet waren, dass wir sie wahrhaftig als die Weisen des Orients bezeichnen können. Wir hörten ihren Anweisungen aufmerksam zu. Sie zeigten uns, dass durch die Verbindung von Wissenschaft und Religion die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit des menschlichen Geistes wie ein Problem Euklids bewiesen werden können.
Zum ersten Mal erhielten wir die Gewissheit, dass in der orientalischen Philosophie kein anderer Glaube möglich ist als der absolute und unerschütterliche Glaube an die Allmacht des unsterblichen Selbst des Menschen. Uns wurde gelehrt, dass diese Allmacht aus der Verwandtschaft des menschlichen Geistes mit der universellen Seele – Gott – herrührt. Letzteres, so sagten sie, könne nur durch Ersteres bewiesen werden.
Der menschliche Geist beweist den göttlichen Geist, so wie der einzelne Wassertropfen die Quelle beweist, aus der er stammen muss. Sagt man jemandem, der noch nie Wasser gesehen hat, dass es einen Ozean gibt, muss er es glauben oder ganz ablehnen. Doch möge ein Tropfen auf seine Hand fallen, und er hat die Tatsache, aus der sich alles Weitere ableiten lässt. Danach könnte er nach und nach verstehen, dass ein grenzenloser und unergründlicher Ozean existiert.
Blinder Glaube wäre nicht länger nötig; er hätte ihn durch WISSEN ersetzt. Wenn man sieht, wie der sterbliche Mensch enorme Fähigkeiten entfaltet, die Kräfte der Natur beherrscht und sich der Welt des Geistes öffnet, wird der reflektierende Geist von der Überzeugung überwältigt, dass, wenn das spirituelle Ego eines Menschen so viel leisten kann, die Fähigkeiten des Vatergeistes relativ gesehen ebenso viel größer sein müssen, wie der ganze Ozean den einzelnen Tropfen an Volumen und Kraft übertrifft.
Ex nihilo nihil fit; beweise die Seele des Menschen durch ihre wundersamen Kräfte – und du hast Gott bewiesen!”
